Historischer Grossbrand von 1934: Archivfotos zeigen dramatischen Einsatz am Klösterli

(Bern BE). Schutz und Rettung Bern hat in seinem Archiv historische Aufnahmen eines der eindrücklichsten Feuerwehreinsätze des Jahres 1934 entdeckt.

Die Bilder zeigen den Grossbrand des traditionsreichen Gasthofs Klösterli am Klösterlistutz – jenes Gebäudes, in dem heute die Mahogany Hall zu Hause ist.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ereignis: Grossbrand des damaligen Gasthofs Klösterli
  • Zeit: Dezember 1934
  • Herausforderung: Steile Lage am Klösterlistutz und winterliche Kälte
  • Historische Folge: Das hohe Mansarddach ging verloren
  • Wiederaufbau: 1935 erhielt das Gebäude ein wesentlich schlichteres Dach
  • Heute: Im ehemaligen Gasthof befindet sich die Mahogany Hall
  • Archivfund: Schutz und Rettung Bern hat bisher wenig bekannte Fotos des Einsatzes veröffentlicht

Grossbrand unter schwierigen Bedingungen

Im Dezember 1934 schlugen die Flammen hoch aus dem Dachstuhl des Gasthofs Klösterli.

Für die damalige Berufsfeuerwehr Bern war der Einsatz besonders anspruchsvoll. Die steile Lage am Klösterlistutz und die eisigen Temperaturen verlangten den Feuerwehrmännern und ihrem Material alles ab.

Die neu aufgetauchten Fotografien machen sichtbar, unter welchen Bedingungen Feuerwehreinsätze vor mehr als 90 Jahren bewältigt werden mussten.







Der Brand veränderte das Gebäude dauerhaft

Das Feuer hinterliess nicht nur Brandschäden, sondern veränderte auch das Erscheinungsbild des Hauses.

Der ehemalige Gasthof war zuvor von einem markanten und voluminösen Mansarddach geprägt. Historische Unterlagen zur Berner Denkmalpflege bestätigen, dass dieses nach dem verheerenden Brand von 1934 nicht in seiner ursprünglichen Form wiederhergestellt wurde.

Im folgenden Jahr erhielt das Gebäude stattdessen ein deutlich schlichteres Dach. Gerade dieser Unterschied macht die alten Feuerwehrbilder heute auch architekturgeschichtlich interessant.

🏛️ Vom Gasthof zum ältesten Musikclub Berns

Das Haus am Klösterlistutz 18 hat eine erstaunlich lange Geschichte. Was heute mit Konzerten, Jazz, Folk und Rock verbunden wird, war jahrhundertelang ein Gasthof.

🍺 1688 – eine Pinte entsteht

Historische Unterlagen führen den Ursprung des Gasthofs auf eine Pinte zurück, die um 1688 am Klösterlistutz eingerichtet wurde.

🏠 Mitte des 18. Jahrhunderts – repräsentativer Gasthof

Das Gebäude wurde grundlegend erweitert und erhielt das Tavernenrecht. Der stattliche Bau wurde von einem grossen Mansarddach geprägt.

🔥 1934 – der Grossbrand

Der Dachbrand zerstörte einen prägenden Teil des Gebäudes. Beim Wiederaufbau verschwand das ursprüngliche Mansarddach.

🎷 1968 – die Mahogany Hall zieht ein

Mehr als drei Jahrzehnte nach dem Brand eröffnete im ehemaligen Gasthof die Mahogany Hall. Sie gilt heute als ältester noch bestehender Musikclub der Stadt Bern.

Aus dem ehemaligen Gasthof wird ein Stück Berner Musikgeschichte

Der Gasthof und das Hotel schlossen später ihre Türen. 1968 begann für das Gebäude ein völlig neues Kapitel: Der Longstreet Jazzclub richtete dort die Mahogany Hall ein.

Der Club wurde am 6. Dezember 1968 eröffnet und entwickelte sich zu einer festen Institution der Berner Musikszene. Laut Bern Welcome fanden dort inzwischen rund 5’000 Konzerte statt. Unter anderem trat auch Mani Matter in der Mahogany Hall auf.

🚒 Warum der Archivfund für Feuerwehrfans spannend ist

Historische Einsatzbilder zeigen nicht nur ein brennendes Gebäude. Sie dokumentieren, wie stark sich Feuerwehrtechnik, Schutzkleidung und Einsatzführung seither verändert haben.

  • Schutzkleidung: Moderne Feuerwehrkleidung schützt heute wesentlich umfassender vor Hitze, Flammen und Rauch.
  • Atemschutz: Innenangriffe sind heute eng mit modernem Atemschutz und systematischer Überwachung der Einsatzkräfte verbunden.
  • Fahrzeuge und Geräte: Pumpen, Leitern, Beleuchtung und Kommunikation haben sich seit den 1930er-Jahren grundlegend weiterentwickelt.
  • Was gleich geblieben ist: Steile Zufahrten, Kälte und schwierige Platzverhältnisse können einen Einsatz auch heute noch deutlich erschweren.

Das macht historische Feuerwehrfotos besonders wertvoll: Sie halten nicht nur ein Ereignis fest, sondern zeigen auch, wie Einsatzkräfte ihrer Zeit mit den damals verfügbaren Mitteln gearbeitet haben.

Ein Brand, dessen Spuren heute noch sichtbar sind

Wer heute am Klösterlistutz vorbeikommt, blickt damit auf ein Gebäude, dessen Erscheinungsbild direkt durch den Grossbrand von 1934 geprägt wurde.

Die neu entdeckten Bilder verbinden Feuerwehrgeschichte, Architektur und Berner Kulturgeschichte auf ungewöhnliche Weise: Aus einem dramatischen Wintereinsatz wurde ein Einschnitt, dessen Folgen noch Jahrzehnte später im Stadtbild sichtbar sind.

 

Quelle: Schutz und Rettung Bern / Polizei.news
Bildquelle: Schutz und Rettung Bern

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